Ist Sarrazin gefährlich?
Montag, 30. August 2010 18:31
Thilo Sarrazin hat heute sein neues Buch “Deutschland schafft sich ab” vorgestellt.
Anders, als viele die es nicht gelesen haben und es nur deshalb verdammen, weil es von Sarrazin ist, werde ich es nicht lesen und seine Aussagen auch nicht bewerten.
Sarrazin einen Diplomaten zu nennen, wäre wohl ziemlich daneben. Sarrazin polarisiert. Er sagt was er denkt, ohne Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten. Er ist der Albtraum der Multi-Kulti-Jünger und Sozialpädagogen.
Er weiß um die Wirkung seiner Worte und dass das Streben nach political Correctnes immer groteskere Züge annimmt.
Es kann nicht mehr lange dauern, bis jemand den ADAC als getarnte Naziorganisation bezeichnet, weil er den von den Nazis geprägten Begriff “Autobahn” verwendet, statt das politisch korrekte Äquivalent “Bundesfernstraße”.
Wer in Deutschland Migrationsprobleme wie Integrationsverweigerung, Bildungsunwilligkeit oder Jugendkriminalität thematisiert, wird unweigerlich des Rassismus bezichtigt.
Wer sich beim Thema Juden dem standardisierten Schuldanerkenntnis und Betroffenheitsritual verweigert und statt dessen Kritik an Israel wagt, wird reflexartig in die Naziecke verortet.
Fast alle, die sich dem politisch korrekten Gutmenschentum verpflichtet fühlen, fordern nun lautstark Sarrazins Kopf. Rassenhass und Volksverhetzung wirft man ihm vor, will ihn mit der Justizkeule mundtot machen und gesellschaftlich ächten.
“Er hat die rote Linie überschritten”. Ah ja. Wer definiert eigentlich, wo die verläuft?
Das Bundesverfassungsgericht? Der Integrationsbeauftragte der Bundesregierung? Die Berufsempörten im Zentralrat der Juden? Die nach Aufmerksamkeit gierenden Parteibonzen? Die Sozialromantiker der Linken? Oder gar F.J.Wagner von der “BILD”?
Nein. Nicht Sarrazin ist gefährlich, sondern die, die ihn zum schweigen bringen wollen.
Sie maßen sich an zu bestimmen, was in Deutschland gesagt werden darf und was nicht.
Man kann von Sarrazin halten was man will, aber wenn nur noch Meinungsäußerungen erlaubt sind, die der aktuell angesagten Political Correctness entsprechen, wird es wirklich gefährlich.
Der nach meiner Meinung wichtigste Eckpfeiler der Demokratie ist die Meinungs- und Pressefreiheit. Wer daran rüttelt, wie z.B. die berüchtigten Zensurkammern des LG/OLG Hamburg, gefährdet dieses verfassungsmäßig (noch) garantierte Grundrecht.
Jede Diktatur beginnt damit, dass die Presse- und Meinungsfreiheit eingeschränkt- und kontrolliert wird. Die Erosion erfolgt subtil und schleichend und das ist das Gefährliche daran.
Alle selbsternannten Verurteilungsbeauftragten und Bedenkenträger, die jetzt ihre Betroffenheit in den Talkshows zelebrieren, können sich Sarrazins aufrichtiger Dankbarkeit sicher sein. Eine bessere Promotion für sein Buch könnte er selbst für viel Geld nicht kaufen.
Und denen, die jetzt Sarrazins kollektive Ächtung fordern, sei ein Zitat von Voltaire entgegengestellt:
“Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”
Nachtrag:
Die Bundesbank hat beantragt, Sarrazin aus dem Vorstand abzuberufen und die SPD bastelt an einem “beschleunigten Ausschlussverfahren”.
Das 65 Jahre nach Hitler und 20 Jahre nach Honeker wieder Menschen mit Berufsverbot belegt- und ihres sozialen Umfelds beraubt werden, nur, weil sie unbequeme Meinungen äußern, lässt für die Zukunft nichts Gutes erwarten.
Das Publizisten wegen mißliebiger Meinungsäußerungen in faschistoiden Schauprozessen
- vorzugsweise von den berüchtigten Hamburger Zensurkammen – zum schweigen gebracht werden, ist – nur eine – Vorstufe zur Diktatur.
Was kommt als nächstes? Werden Greenpeace-Aktivisten interniert, weil sie behaupten, Kernkraft sei gefährlich? Oder Bürgerrechtler, weil sie gegen den Überwachungsstaat protestieren? Oder feiert ein “Reichsbürgergesetz 2.0″ furchtbare Urständ, diesmal (vorerst nur) für Publizisten?
Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Axel John
Axel John